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28.06.2010 Die Stiftung "Welten verbinden" bezuschusst das Projekt "Mittendrin und voll dabei![]()
Sachbericht über das 1. Projektjahr von „Mittendrin für Kids“ (September 2008 bis August 2009)
Das Projekt „Mittendrin für Kids“ richtet sich an Kinder und Jugendliche jeder Nationalität in Speichersdorf. Unter dem Dach der evangelischen Kirchengemeinde trifft sich seit September 2008 mittwochs um 15.00 Uhr eine Gruppe im evangelischen Gemeindehaus, die im ersten Projektjahr von Frau Eva Ernst geleitet wurde. (Im Januar 2010 übernahm Herr Werner Jendrich die Gruppe.) Die Fachaufsicht liegt bei der Evangelischen Jugend Weiden, die Dienstaufsicht bei der evangelischen Kirchengemeinde Speichersdorf.
Die Gruppengröße schwankte im 1. Projektjahr zunächst zwischen 5 und 20 Kindern im Alter von 3 bis 10 Jahren. Langsam kamen Ältere dazu. Während zunächst Kinder aus Aussiedler-, aus türkischen und aus einheimischen Familien dabei waren, kristallisierte sich im Laufe des Projektjahres ein Kern von türkischen Mädchen und türkischen Jungen im Alter zwischen 13 und 15 Jahren heraus.
Das Hauptziel dieses Gruppenangebotes liegt in der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in die bestehenden Strukturen des kirchen-gemeindlichen und kommunalen Lebens. Außerdem soll das Projekt ein respektvolles Miteinander unterschiedlicher Nationalitäten und religiöser Überzeugungen fördern. Zudem sollen Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund ermutigt werden, sich selbst als ehrenamtliche MitarbeiterInnen ein zu bringen.
Durch die Beteiligung in erster Linie türkischer Jugendlicher erfuhr das Projekt schon im Laufe des 1. Projektjahres eine gewisse Modifizierung der Zielsetzung. Die Integration in die bestehenden Strukturen wurde verstärkt durch die Zusammenarbeit mit kommunalen sozialen Angeboten. Die angestrebte Entwicklung von Toleranz bezog sich aufgrund der einen Nationalität schwerpunktmäßig auf die Rolle von Mann und Frau und auf die Auseinandersetzung mit christlichen Werten. Das Ziel der Entwicklung einer Motivation, sich selbst als Ehrenamtliche/r ein zu bringen, wurde zunächst auf das Erlernen von Grenzen, Regeln und Autoritäten heruntergeschraubt. Verstärkt wurde darauf hingearbeitet, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken.
Das Interesse der türkischen Jugendlichen, sich nach außen auch für andere Nationalitäten zu öffnen, ist schwach. Auch gibt es immer wieder Versuche der Jungen, die Mädchen aus der Gruppe hinaus zu drängen. Aus diesem Grund wurde zunehmend versucht, die bestehende Gruppe als Basisgruppe zu schulen, allen Gruppenmitgliedern Verantwortung zu übertragen und diese in gemeinsamen Unternehmungen aus zu loten.
Die Arbeit mit vorwiegend türkischen und damit muslimischen Jugendlichen findet keine uneingeschränkte Zustimmung in der Kirchengemeinde. Hier wurde gemeinsam mit den Jugendlichen versucht, Vorurteile abzubauen (z. B. durch Grundreinigung des zur Verfügung gestellten Gruppenraumes, Beteiligung an besonderen kirchengemeindlichen Aktivitäten). Mit dem Problem der Akzeptanz hängt evtl. ein weiteres Problem zusammen: Es ist nicht gelungen, innerhalb der Gemeinde ehrenamtliche Mitarbeitende zu finden. Nur sporadisch konnten Personen zur Unterstützung geplanter Ausflüge gewonnen werden. Von daher ist zu fragen, ein wie hohes Maß an Unterstützung aus der Kirchengemeinde für den Beginn eines solchen Projektes nötig ist. Es wäre jedoch sehr traurig, wenn ein Projekt dieser Art nur dann versucht würde, wenn die Gemeinde völlig ungeteilt dahinter steht; vermutlich ist das aber nirgends der Fall. Immerhin ist es gelungen, das Gemeindehaus zu einer Heimat für die türkischen Jugendlichen werden zu lassen. Sie spüren, dass sie hier wichtig sind und die Angebote ihren Interessen entgegen kommen. Auch nehmen sie allmählich wahr, dass Menschen sie in ihrem kulturellen und religiösen Anderssein respektieren.
Vermutlich ist für die weitere Arbeit noch stärker die Familienstruktur der türkischen Jugendlichen zu berücksichtigen. Wo der Älteste ganz selbstverständlich die Dominanz in der Gruppe für sich beansprucht und von Seiten der anderen Jugendlichen unwidersprochen ausleben darf, und wo die Familie das Wichtigste ist, ist zu überlegen, ob die Eltern vielleicht in die Arbeit mit einbezogen werden können. Dazu muss das Vertrauen weiter wachsen.
Was die Integration in bestehende Strukturen betrifft, so ist verstärkt mit der einheimischen Seite und allen dort vorhandenen Vorurteilen und Verurteilungen zu arbeiten. Aufklärungsarbeit über den Islam und die Wechselseitigkeit von Integration ist weiter wichtig. Ein überzeugendes Leben aus der Liebe Gottes heraus will nicht assimilieren, sondern Angenommensein vermitteln, ohne dem eigenen Glauben zu entfremden.
Zur Erinnerung: Die Initiierung des Jugendprojektes „Mitten drin und voll dabei“ war eine Folge des Erwachsentreffs „Mitten drin“ mit über 100 BesucherInnen und den dadurch mitgebrachten Kinder und Jugendlichen. Die Entwicklungen im Jugendprojekt (Zielgruppe) spiegeln sich auch in den Veränderungen im Erwachsenentreff im Blick auf den Migrationshintergrund.
Die Erfahrung, dass auch das Jugendprojekt (mit Migrationshintergrund) keine uneingeschränkte Zustimmung erfährt, beschreibt die Herausforderung der einheimischen Bevölkerung, sich der Bedeutung und der Realitäten von Integration zugezogener Menschen zu stellen. Auch zu dieser Auseinandersetzung leistet das Jugendprojekt durch sein Bestehen seinen Beitrag. |
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